So entstand diese Zeitreise durchs Martinsviertel

Wie und warum sind die Bilder auf diesen Seiten entstanden?

Im Winter 1967 ist Klaus Achenbach, ein Freund meines Vaters, mit seiner Kamera durch das Martinsviertel gewandert. Er hat rund 30 Aufnahmen gemacht und aus diesen meinem Vater zu seinem damals 30. Geburtstag im März ein kleines Fotoalbum zusammengestellt. Die erste Seite ist mit „durchs Watzeverdel“ beschriftet. Warum und wie er auf diese Idee kam kann ich nur noch vermuten. Es sind neben ein paar Ansichten wie der Martinskirche oder ganzen Straßenzügen hauptsächlich Kneipen, die er fotografiert und meinem Vater geschenkt hat.

album02.jpg

Dies führe ich darauf zurück, dass die beiden ausgewiesene Kenner der damaligen Gastronomie waren. Vermutlich kannten sie die meisten der abgebildeten Lokalitäten nicht nur von außen. Bei meinen Nachforschungen zu diesem Thema habe ich nun auch erfahren, dass mein Vater in der Kneipenmannschaft des damaligen „Frankfurter Hof“ Fußball gespielt hat. Dies war vor meiner Zeit. Ich bin erst 1968, ein Jahr nach den Bildern im Album, geboren. Ich kann mich nur noch erinnern, dass er bei den alten Herren des SV Darmstadt 98 gekickt hat.

Das kleine Album hat nach 1967 23 Jahre lang im Wohnzimmerschrank meiner Eltern zwischen den anderen Alben verbracht. Ab und an wurde es mal hervorgeholt, darin geblättert und wieder zurückgelegt. In dieser Zeit hat mir Klaus Achenbach eine seiner alten defekten Kameras zum Auseinanderschrauben gegeben, ich hab sie irgendwie wieder zum Knipsen gebracht und bin dann ein paar Jahre später Fotograf geworden. Hätte er das nicht getan weiß ich nicht, was ich heute machen würde. Lokführer oder Feuerwehrmann wahrscheinlich.

1990 habe ich mir das kleine Album neugierig wieder angeschaut. Ich war gerade in der Ausbildung, habe mich damals sehr für Schwarzweißfotografie interessiert. Im März, zum damals 53. Geburtstag meines Vaters, habe ich alle Bilder darin von den möglichst gleichen Standpunkten noch einmal fotografiert. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Bäume, Autos und Schilder waren inzwischen an Stellen wo es 1967 nur Kopfsteinpflaster gab. Herausgekommen ist wieder ein Fotoalbum, die gleichen Orte aber inzwischen andere Kneipen, aufgestockte oder abgerissene Häuser und viele andere Veränderungen.

album01.jpg

Jetzt sind seit 1990 wieder 18 Jahre vergangen. Als ich etwas ganz Anderes suchte sind mir die beiden Fotoalben in die Hände gefallen. Beim Blättern habe ich bemerkt, dass sich inzwischen wieder sehr viel verändert hat. Ich bin sehr oft im Martinsviertel unterwegs, aber erst da ist mir bewusst geworden was in diesen 18 Jahren alles passiert ist. Also hab ich mir wieder meine Kamera geschnappt und habe die Aufnahmeorte noch mal abgeklappert. Dabei entstand die Idee, die neuen technischen Möglichkeiten zu nutzen und diese Veränderungen durch Überblenden der Bilder sichtbarer und nachvollziehbarer zu machen. Es hat sehr viel Zeit gekostet, die Bilder wie Sie es hier sehen aufeinander zu montieren. Bei einigen war es nicht möglich, bei ein paar ist es annähernd perfekt, hier scheint die Zeit stehen geblieben.

Ich hoffe Sie nehmen sich Zeit zum Anschauen, auch Kleinigkeiten wie Autos, Werbeschilder oder Fußgänger sind interessant zu vergleichen. Sie haben unter den Bildern die Möglichkeit Kommentare, Informationen oder Erinnerungen einzutragen, die Sie vielleicht mit den Lokalen oder Orten verbinden.

Ich habe während der Arbeit an diesen Seiten und auch beim Fotografieren 1990 und 2008 sehr viel Spaß gehabt, mich an viele Dinge erinnert und viele Details, Veränderungen bewusster wahrgenommen. Und ich habe erfahren, dass mein Vater für den Frankfurter Hof Fußball gespielt hat. Der heißt jetzt Bembelsche und ich werde demnächst mal dort einkehren, man soll da sehr gut essen und vielleicht gibt’s ja auch immer noch eine Kneipenmannschaft.

album03.jpg

Klaus Achenbach und mein Vater hätten bestimmt auch viel Spaß, die Seiten anzuschauen. Hätten zu jedem Bild, jeder Kneipe bestimmt 500 Anekdoten zum Besten geben können. Das geht leider nicht, beide leben nicht mehr.

Ich wünsche viel Spaß bei der Zeitreise und freue mich über Kommentare zu den Bildern!

free web
tracker